___Everything will slip away...__
Anführungszeichen.

Dinge, die ich furchtbar finde:

Dass dein Name nur in dem Zusammenhang fällt, dass es mir nicht gut geht.

Die Anführungszeichen, in denen dein Name stand, in dem Brief. Als ob ich dich mir nur eingebildet hätte. Als ob dein Name nur eine Idee gewesen sei. Er stand doch in deinem Pass.

Ich gehe jeden nötigen Schritt, der mich davon wegführt, wo du jetzt bist, mit Freunden an meinen Händen. Trotzdem will ich dich bei mir haben.

Und jetzt? Wir werden sehen.

12.11.08 18:24


Liebe Andrea

Auf Abschlussfahrt machten wir auch Halt in Athen. Im Bus waren Familien häufiger das Gesprächsthema, aber ich vermied, viel zu erzählen. Erzählte manchmal ein bisschen von Großeltern. Als wir zu dritt durch die Innenstadt spazierten, ging es konkret um Väter. Die unvermeidliche Frage kam: Du hast ja noch garnichts erzählt, was macht dein Vater denn so.

Und ich war ehrlich. Und trauriger, als ich sein wollte. Weil ich ja eigentlich erzählen wollte, wie cool du bist. Du hättest meine Freunde so gemocht. Und sie dich.

 

 ---

Eben stand ich mit Mama und wünschte mir, dass ich mit einer Leichtigkeit Mike umarmen könnte wie dich.

Es wäre nicht nur unpassend, es auch ein trauriges Substitut. 

An dich dachte ich gestern Abend häufiger; ich habe im Schlaf eine Blumenvase umgestoßen und nun trägt das Laminat, das du verlegt hast, Blasen. Du wärst ziemlich verärgert gewesen, das weiß ich.

Das ist auch so eine semidumme Sache. Ich wohne jetzt im Wohnzimmer und habe sehr viel Platz. Und den Balkon. Und bekomme vieles von Mama bezahlt, das du nicht bezahlt hättest. Wärst du nich hier, wäre das anders. Und trotzdem wünsche ich mir dich zurück.

Wann kommst du wieder?

12.10.08 19:45


Asche glitzert.

Ich bin leid, immer alles erklären zu müssen. Ich will, dass die Menschen wissen. Will, dass es eine Selbstverständlichkeit ist und nichts, das der Nachfrage bedarf.

Es ist nicht so. Ich kann nicht auspacken und den Menschen erzählen, weil ich Grundsätzliches klären müsste. Grundsätzliches, das sich in den Vordergrund drängen würde, vor das, was ich eigentlich erzählen wollte.

Mein Vater war transidentisch. Trug den Namen Andrea. Und nahm sich vor ein paar Jahren das Leben. 

Ich kann nicht einfach so erzählen, weil meine Wahl der Personalpronomen (sie!) und der Name Fragen aufwerfen. Ich kann stattdessen nicht sagen "mein Vater", es wäre eine Verleugnung.

Deshalb ist Andrea sehr weit von mir weg. Deshalb ist sie nicht mehr in meinem Alltag. Ein Elternteil, eine Freundin, die nur noch Sache meiner Gedanken ist. Privatsache. Geheimnis.

Fast, als hätte es sie nie gegeben. Dabei erkenne ich sooft ihr Gesicht in meinem, wenn ich in den Spiegel sehe. Dabei sind die Fäden meines Seins mit ihren am ehesten verwebt. Festgeknüpft.

Ich will von ihr erzählen, ich will an sie schreiben. Briefe an Andrea, deren Asche ich im Sommer vor zwei Jahren in einem Wald in den Niederlanden verstreute.

Sie glitzerte. Sie glitzerte mir das Samtkleid voll und in Staubwolken in den Mund hinein. Asche glitzert, wusstet ihr das?

14.9.08 03:10


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I do not stand at your grave and weep
You are not there. You do not sleep.
You are a thousand winds that blow.
You are the diamond glints on snow.
You are the sunlight on ripened grain.
You are the gentle autumn rain.
When I awaken in the morning's hush
You are the swift uplifting rush
Of quiet birds in circled flight.
You are the soft stars that shine at night.
I do not stand at your grave and cry;
You are not there, you did not die.
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